EINE ZEITREISE

Zeitreise durch die Geschichte von Garolden

Garolden liegt im nördlichen Waldviertel auf einem nach Süden ausgerichteten Hang östlich von Gastern. Der Ortsname wird häufig mit dem keltischen Wort "garald" in Verbindung gebracht, was so viel wie Abhang bedeutet – eine passende Beschreibung für die Lage des Dorfes.

Ursprünglich entstand Garolden als Längsangerdorf. Durch die spätere Verbauung des Angers entwickelte sich daraus im Laufe der Zeit ein Doppelstraßendorf, das bis heute das Ortsbild prägt.

Über viele Jahrhunderte hinweg war Garolden ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Gleichzeitig spiegeln Chroniken und Aufzeichnungen wider, wie sich das Leben im Ort verändert hat – mit Wachstum, wirtschaftlichen Entwicklungen, technischen Fortschritten, aber auch schwierigen Zeiten.


1100er Jahre

- 1112 -

Garolden wird erstmals urkundlich erwähnt. Sieben Häuser im Ort gaben damals den Zehent an das Stift St. Georgen an der Traisenmündung. Garolden gehörte zu dieser Zeit zum Zehentamt Pleßberg.

Diese frühe Erwähnung zeigt, dass Garolden bereits im Hochmittelalter eine bestehende landwirtschaftliche Siedlung war.


1200er Jahre

- 13. Jahrhundert -

Von sieben Lehen in Garolden wurde der Zehent an das Stift Herzogenburg abgeführt. Die Bewohner lebten hauptsächlich von Landwirtschaft und waren Teil der damaligen Grundherrschaft.


1300er Jahre

- 1348 -

Die Zehente von Garolden waren an Heinrich Truglinger verpachtet.

- 1369 -

Ein "Garoten" erscheint neben Gestnern auch zur Herrschaft Thaya dienstbar.

Aus dieser Zeit sind mehrere Schreibweisen des Ortsnamens überliefert
Garoldten, Garoten, Gorott und Gorolden – letzteres wird im Dialekt teilweise bis heute verwendet.


1400er Jahre

- 1445 -

Kaiser Friedrich IV. bewilligte dem Georg von Puchheim, dass seine Frau Elsbet von Neuhaus mit ihrer Heimsteuer auf mehrere österreichische Lehen verwiesen werden durfte – darunter auch Gorolten (Garolden).

Bevor Garolden zur Herrschaft Dobersberg kam, gehörte es zur Herrschaft Schellingshof, die später mit Dobersberg vereinigt wurde.


1500er Jahre

- 1584 -

Sigmund von Puchheim auf Dobersberg besaß in Garolden 26 Holden.

- 1590 -

Es werden fünf untertänige Häuser und eine Mühle im Ort erwähnt.
Garolden war damit bereits eine kleine, aber strukturierte Dorfgemeinschaft.


1600er Jahre

- 1642 -

Die Holzmühle zwischen Frühwärts und Garolden wird erstmals erwähnt.
Sie ist heute nicht mehr in Betrieb, das Gebäude besteht jedoch noch.

- 1675 -

Garolden bestand zu dieser Zeit aus 16 Häusern, die den Zehent leisten mussten.


1700er Jahre

- 1783 -

Garolden wurde von der Pfarre Kautzen der Pfarre Gastern zugeteilt.
Das Dorf hatte damals 30 Häuser und 174 Einwohner.

- 1795 -

Garolden zählte bereits 37 Häuser.
Im selben Jahr kam es zu einer schweren Pockenepidemie, bei der mehrere Kinder aus dem Ort starben.


1800er Jahre

- 1822 -

Garolden wird als Dorf mit 41 Häusern beschrieben.
Die Kinder gingen nach Gastern zur Schule, während die Herrschaft Dobersberg die Ortsobrigkeit und Gerichtsbarkeit innehatte.

- 1823 -

Garolden wurde im Franziszeischen Kataster erfasst.
Der historische Katasterplan zeigt bereits deutlich die Struktur des Dorfes mit Höfen, Wegen und landwirtschaftlichen Flächen.

- 1842 -

Garolden hatte 46 Häuser, darunter 26 Bauernhäuser, mit 306 Einwohnern.

- 1882 -

Die Bewohner beantragten eine eigene Schule für Garolden, der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

- 1880er Jahre -

Mehrere Brände beschädigten Gebäude im Ort, darunter auch die Mühle, die vollständig niederbrannte.

- 1895 -

Das Armenhaus wurde verkauft.


1910er Jahre

- 1917 -

Die Glocke der Dorfkapelle musste während des Krieges abgeliefert werden.

- 1918 -

Die Pfarrchronik verzeichnet 7 Gefallene aus Garolden im Ersten Weltkrieg.
Im selben Zeitraum kam es im Dorf zu mehreren Bränden, bei denen mehrere Gebäude beschädigt oder zerstört wurden.


1920er Jahre

- 1920 -

Eine neue Stahlglocke wurde angeschafft und in der Pfarrkirche Gastern geweiht.

- 1928 -

Eine der ältesten bekannten Fotodokumentationen des Dorfes. Die Aufnahme zeigt Garolden mit seiner damaligen Bebauung und vermittelt einen Eindruck vom Ortsbild in der Zwischenkriegszeit.


1930er Jahre

- 1934 -

Bei der Volkszählung hatte Garolden 47 Häuser und 200 Einwohner.

- 1936 -

Eine Postkarte berichtet von einem Kirtag am 6. September in Garolden.

- 1937 -

Blick auf Garolden von der Straße aus

Historische Aufnahme des Dorfes, aufgenommen von der Straße aus kommend von Gastern. Das Bild zeigt das damalige Ortsbild und die Lage des Dorfes am Hang.

- 1938 -

Laut Adressbuch gab es im Ort unter anderem:

- einen Gastwirt -

- einen Gemischtwarenhändler -

- eine Mühle mit Sägewerk -

- einen Schmied -

- zwei Schuster -

- eine Trafikantin -

- einen Tischler -

- einen Weber -

Außerdem war der Garoldner Johann Pischinger von 1938 bis 1945 Bürgermeister von Gastern.


1940er Jahre

- 1945 -

Im Zweiten Weltkrieg fielen 15 Garoldner.

- 1946–1948 -

Garolden wurde elektrifiziert.


1950er Jahre

- 1954–1957 -

Der Reuthbach wurde reguliert, um Hochwasserprobleme zu verringern.


1970er Jahre

- 1975 -

Die Kapelle erhielt eine elektrische Läutanlage.

- 1976 -

Garolden hatte 38 bewohnte Häuser und 151 Einwohner.


1980er Jahre

- 1982–1983 -

Bau des Güterwegs "Zulüß Garolden".

- 1985 -

Neueindeckung der Kapelle.

- 1988–1990 -

Sanierung und Räumung des Reuthbaches.

- 1989 -

Sanierung der Ortsdurchfahrt.


1990er Jahre 

- 1993–1994 -

Bau des Güterwegs "Garolden Holzmühle".

- 1994–1995 -

Bau des Güterwegs "Pleßbergfeld".

- 1997 -

Auf Initiative von Gemeinderat Franz Dangl wurde neben dem Kühlhaus ein Kinderspielplatz errichtet.


2000er Jahre

- 2001 -

Garolden hatte 124 Einwohner.

- 2005 -

Gründung des Verschönerungsvereins Garolden durch Gemeinderat Friedrich Habisohn.

- 2007 -

Mehrere wichtige Infrastrukturmaßnahmen:
- Anschluss an die Kläranlage -
- Anschluss an die öffentliche Wasserleitung -
- Verlegung der Stromleitungen in die Erde -


2010er Jahre

- 2010 -

Das ehemalige Kühlhaus und das Waaghaus wurden durch den Verschönerungsverein renoviert.
Aus dem Kühlhaus entwickelte sich später das heutige Vereinshaus.

- 2019 -

Der Glasfaserausbau erreichte Garolden.


2020er Jahre

 -2023- 

Die Garoldnerin Viktoria Hutter wurde in den Bundesrat berufen.

- 2025 -

Der Garoldner Florian Hutter wurde Bürgermeister der Marktgemeinde Gastern.

- Heute -

Garolden hat rund 88 Einwohner und ist heute ein kleiner, aber lebendiger Ort im Waldviertel.
Das Dorf verbindet eine lange Geschichte mit einem aktiven Gemeinschaftsleben und einem gepflegten Ortsbild.